Nach knapp 10 tkm war es wieder soweit und der alte Reifensatz (Bridgestone Battlax BT-45) musste einem neuen weichen. Nun stand die Frage im Raum, ob ich wieder auf den altbewährten Battlax BT-45 zurückgreife oder den neuen Battlax BT-46 ausprobiere…

Good old BT-45

Der Bridgestone Battlax BT-45 ist prinzipiell kein schlechter Reifen: Er hat eine hohe Haltbarkeit (acht- bis zehntausend Kilometer sind immer drin) und ein recht gutmütiges Verhalten. Dies gilt selbst bei Nässe, vorausgesetzt der Reifen selbst ist nicht zu alt, was aber auch auf jeden anderen Reifen eines beliebigen Herstellers zutrifft.

Es gibt aber auch ein paar Punkte, die mir am BT-45 nicht gefallen:

  • Starke Sägezahnbildung am Vorderreifen mit entsprechender Geräuschkulisse in Schräglage, was bereits schon ab 1000 km Laufleistung einsetzt
  • Starke Abnutzung der Reifenmitte am Hinterreifen, obwohl diese über eine härtere Gummimischung als die Reifenflanken verfügen soll
  • Geringe Eigendämpfung des (Diagonal-)Reifens, was Komforteinbuße bedeutet
  • Ungenaue Rückmeldung von der Straße, speziell am Hinterrad

Der Battlax BT-46

Da der BT-45 bereits deutlich in die Jahre gekommen ist, ist Bridgestone nun beim BT-46 einige Wege neu gegangen:

  • Nur noch eine Gummimischung am Hinterreifen anstatt einer Zwei-Zonen-Mischung (Bridgestone SACT)
  • Gespiegeltes Profil am Vorderreifen, womit der starken Sägezahnbildung entgegen gewirkt werden soll

Die beiden verschiedenen Gummimischungen des mittlerweile bereits seit 22 Jahren auf dem Markt befindlichen BT-45 musste beim BT-46 gegen eine moderne Gummimischung mit hohen Silica-Anteilen weichen. Bridgestone verspricht hierbei eine gleiche Haltbarkeit sowie Trockenperformance wie beim Vorgänger, aber deutlich gesteigerte Nassperformance und Grip. Auch der schnelle Verschleiß des Vorderreifens beim Vorgänger wurde beim neuen BT-46 adressiert: Das Profil ist jetzt ein umgedrehtes V-Profil, welches die oftmals schon nach 1000 km Laufleistung einsetzende Sägezahnbildung verhindern soll. Wenn sich der Reifen dann auch etwas gleichmäßiger abnutzt, sollte das der starken Neigung zum Lenkerflattern (Shimmy) am Ende der Lebensdauer des Vorderreifens etwas entgegen wirken.

Zusätzlich wurden noch einige Details des im großen und ganzen identischen Reifenprofils geändert. So prangt zum Beispiel ein kleines „BT46“ auf der Reifenflanke an Vorder- und Hinterreifen.

Abbildung Vorderreifen Bridgestone BT-46

Vorderreifen Bridgestone BT-46

Abbildung Hinterreifen Bridgestone BT-46

Hinterreifen Bridgestone BT-46

Das Größen-Paradoxon

Da meine Honda NTV 650 einen neuen Reifensatz benötigt, musste ich mir Gedanken machen welche Pellen nun aufgezogen werden sollen. – Diese Frage ist nicht ganz so einfach zu beantworten: Viele NTV-Fahrer schwören auf Den Bridgestone T30/T30evo oder T31, welche als Radialreifen unheimlich handlich sind, aber leider nicht in der Originalgröße für die Honda NTV verfügbar sind.

Das war bisher kein Problem, da die Reifenhersteller Unbedenklichkeitsbescheinigungen zur Reifenumrüstung für diese Reifen bereitgestellt haben. Dabei wurde im Fahrversuch durch den Reifenhersteller ermittelt, ob ein Reifentyp für das Fahrzeug geeignet ist. Es werden also nicht nur wie bei einer Einzelabnahme die Freigängigkeit des Reifens und „eine Runde auf dem Hof gedreht“, sondern es werden ausgiebige Fahrversuche durch professionelle Testfahrer vorgenommen. Entgegen der Meinung des Verkehrsministers erkennen jedoch immer mehr Prüforganistionen diese im Fahrversuch ermittelten Freigaben nicht mehr bei einer Hauptuntersuchung an, sondern verweigern die Plakette aufgrund falscher Reifengrößen, bieten aber an, den Reifen aufgrund der gerade abgelehnten Unbedenklichkeitsbescheinigung per Einzelabnahme abzunehmen und in die Fahrzeugpapiere eintragen zu lassen. Oftmals ist sogar die besagte „Runde auf dem Hof“ nicht mal mehr drin!

Um es kurz zusammenzufassen: Der Halter eines Krad wird also während der HU erpresst, er erhalte die Plakette nicht, wenn die abweichende Reifengröße nicht eingetragen ist! Da haben die Prüforganisationen also eine neue Einnahmequelle entdeckt. – Ein Schelm, wer böses dabei denkt! Im Übrigen kostet so eine Eintragung bis zu 150 €.

Um genau jenes Größen-Paradoxon zu umgehen, habe ich mich bisher immer für den BT-45 entschieden, da dieser in der Originalgröße 110/80-17 57H TL für das Vorderrad und 150/70-17 69H TL für das Hinterrad der Honda NTV650 verfügbar war. Auch muss man mit abweichenden Reifendimensionen mit einer noch stärkeren Tachoabweichung rechnen als diese sowieso mit den Originaldimensionen ist (bei mir sind es bei 100 km/h ca. 10% Vorlauf). Im ungünstigsten Falle hat man dann vielleicht 15% Tachovoreilung, was sich auf den ersten Blick nicht schlimm anhört, denn man fährt einfach 110 bis 115 km/h, um echte 100 km/h zu erreichen, im Umkehrschluss fährt man dann aber auch jede 100 gefahrene Kilometer 10 bis 15 Kilmeter mehr auf den Tacho, die so gar nicht gefahren wurden.

Unbedenklichkeitsbescheinigungen und ihre Gültigkeit

Viele Motorradfahrer sind der Meinung, dass die Reifenfabrikatsbindungen grundsätzlich auch für Motorräder aufgehoben wurden. Dem ist jedoch nicht so! – Maßgebend für Motorräder ist die Richtlinie 97/24/EG (Kapitel 1: Reifen von 2- und 3-rädrigen Fahrzeugen und ihre Montage), hier nachzulesen. Da die Honda NTV 650 (RC33) über eine Reifenfabrikatsbindung verfügt, sind ausschließlich diese Reifen auf dem Motorrad zulässig sowie eine durch eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Reifenherstellers erweiterte Reifenfabrikatsbindung in der werkseitig Reifendimension. – Um es auf den Punkt zu bringen: Der Bridgestone BT-45 war bisher neben den nicht mehr hergestellten Reifen, welche in der Betriebserlaubnis aufgeführt sind, also die einzige legale Alternative auf der Honda NTV.

Auf diesen Punkt berufen sich vermutlich die Prüforganisationen. Da die Reifenfabrikatsbindung weiterhin gültig ist und diese nicht durch eine UBB für einen Reifen in Originaldimension erweitert ist, muss also in den Augen der Prüforganisation eine Einzelabnahme erfolgen, denn entweder gibt es keine UBB, damit wäre der Reifen nicht zulässig, oder die Reifendimension weicht von den in der Betriebserlaubnis angegebenen Originaldimensionen ab.

Genau genommen ist der BT-46 jetzt auch nicht legal auf meiner NTV montiert, weil der Reifen zwar den Originaldimensionen entspricht, aber nicht über eine Unbedenklichkeitsbescheinigung seitens Bridgestone verfügt. Der Reifen ist jetzt 3 Monate auf dem Markt und es sind höchstwahrscheinlich nicht alle Fahrtests mit dem Reifen abgeschlossen, schon gar nicht für unser „Alteisen“, der Honda NTV. Da sich aber die Prüforganisationen und die Exekutive bei etwaigen Kontrollen nur auf die Reifengröße konzentrieren und diese lediglich mit der Zulassungsbescheinigung abgleichen, sollte man vor etwaigen Diskussionen und Problemen im Moment sicher sein. Ich gehe ganz stark davon aus, dass der BT-46 die gleichen UBB erhalten wird wie sein Vorgänger.

Fahreigenschaften

Kommen wir nun nach dem rechtlichen Teil zurück zu den Fahreigenschaften des BT-46, denn in über 20 Jahren Reifenentwicklung hat sich natürlich einiges getan und das merkt man dem Reifen deutlich an. Zum Zeitpunkt dieses Berichts habe ich ca. 150 km mit dem neuen Reifen zurückgelegt. Die weitere Entwicklung wie auch den Verschleiß werde ich in einigen späteren Updates zu diesem Artikel hinzufügen.

Handling

Das Handling des BT-45 war bisher immer problemlos: Er ist kein besonders kurvenfreudiger Reifen, aber ein Geradeausläufer, den man in die Kurve zwingen muss, ist er auch nicht gerade. Er entspricht dem guten Mittelfeld und ist für viele Fahrer problemlos zu fahren. Der BT-46 verhält sich hier etwas anders: Das Motorrad will förmlich in die Kurve fallen! Schnelle Kurvenwechsel und Slalom gehen kinderleicht von der Hand, ohne jedoch bei auf der Landstraße üblichen Geschwindigkeiten das Vertrauen in den Geradeauslauf zu verspielen.

Kein neuer BT-45 hat sich jemals so handlich fahren lassen wie der neue BT-46! Punkt!

Grip / Sicherheitsgefühl

Bei den letzten 3 Reifensätzen BT-45 hatte ich beim Losfahren vom Händler bisher immer eine „heiße“ Situation, in denen der neue Reifen schmierte. – Warum befinden sich die ganzen Motorradhändler eigentlich immer weniger als 50 m von einem Kreisverkehr entfernt? 😀

Da es den ganzen Tag regnete, die Straßen vom Pollenstaub noch nicht gänzlich freigespült waren und natürlich der Händler sich an einem Kreisverkehr befindet, habe ich mich dazu entschlossen es wirklich ruhig angehen zu lassen. Was soll ich sagen? Kein Rutschen, keine heiße Situation, einfach nur Grip vom ersten Meter an.

Der BT-46 vermittelt ein unheimliches Sicherheitsgefühl, was beim Vorgänger eher „breiig undefiniert“ ist, was auch auf die gänzlich andere Rückmeldung vom Reifen zurückzuführen ist, dazu aber gleich etwas mehr. Bei unsauber ausgeführten Schaltvorgängen (und da stimmen mir andere Ententreiber bestimmt zu), bekommt man ein kurzes Bremsmoment auf das Hinterrad. Hier merkt man förmlich wie der Reifen am Asphalt klebt, trotz nicht ganz trockener Straße. Ich bin wirklich beeindruckt!

Komfort / Rückmeldung

Wenn man viele lange Touren fährt, dann ist man über den Komfort eines Reifens sehr dankbar! Harte unwillige Reifen melden zwar viel zurück, aber als Fahrer k*tzt es einen bei jeder Asphaltfuge oder Schlagloch förmlich an. Ist der Reifen zu komfortabel, leidet darunter die Rückmeldung der Straße, was mitunter auch in gefährlichen Situationen enden kann, wenn der Grenzbereich des Reifens erreicht wird, der Fahrer aber darüber vorher kaum Rückmeldung bekommt.

Es gilt nun für den Reifenhersteller den Sweet-Spot zwischen Komfort und Rückmeldung zu finden, damit einseits entspanntes Fahren, aber auch einmal eine flottere Gangart bei guter Rückmeldung möglich ist. Dies ist Bridgestone meiner Meinung nach mit dem BT-46 eindeutig gelungen! Der Fahrkomfort des Reifens ist sogar höher als beim BT-45, aber die Rückmeldung ist im Vergleich gigantisch! Die gute Eigendämpfung des Reifens schluckt die unliebsamen Asphaltflicken, man bekommt aber auch Rückmeldung darüber, dass da was war, dies aber gut definiert und nicht nervend. Das Popometer freut sich!

Dieser Aspekt am BT-46 macht mir neben dem hohen Grip und dem Sicherheitsgefühl besonders Freude!

Stabilität

Erwartungsgemäß haben neue Reifen eigentlich kein Stabilitätsproblem. Einfach mal zwischen 60 und 90 km/h beide Hände (vorsichtig!) vom Lenker nehmen und beobachten, was das Krad macht. Der BT-45 war in dieser Disziplin als Neureifen wirklich vorbildlich, baute aber mit jedem gefahrenen Kilometer ab und zeigte einen starken Hang zum Lenkerflattern (Shimmy).

Erst war ich ein wenig enttäuscht, dass sich dieser Effekt auch beim BT-46 auf den ersten Metern zeigte, aber bereits nach einigen Kilometern verschwand. Ob dieser Effekt nur bei kaltem Reifen auftritt oder die noch nicht ganz aufgerauhte Oberfläche des Vorderreifens dafür verantwortlich ist, kann ich im Moment noch nicht beurteilen. Dazu brauche ich noch einige hundert Testkilometer mehr.

Der Reifen wirkt aber nicht unruhig und lässt sich jederzeit ohne jegliche Anstrengung pilotieren.

Verschleißverhalten

Bridgestone konstatiert dem BT-46 ein ähnlich gutes Verschleißverhalten wie das des Vorgängers BT-45. Wenn die Verschleißgrenze dieses Reifensatzes erreicht ist, werde ich hier Informationen nachpflegen.

Fazit

Meiner Meinung nach ist Bridgestone mit dem BT-46 ein ziemlich guter Wurf gelungen!

Das klassische Profildesign kombiniert mit einer Weiterentwicklung der Karkasse und vor allen Dingen der Gummimischung macht den BT-46 zum idealen Reifen für viele klassische Motorräder. Es bleibt zu hoffen, dass die bereits gemachten Erfahrungen sich während der Nutzungsdauer weiterhin bestätigen, denn das macht den BT-46 zu einem idealen Sport-Touringreifen, der technologisch jetzt auch im 21. Jahrhundert angekommen ist!