Zugfahren im Jahre 2018

Es ist schon einige Jahre her, als ich das letzte Mal mit dem Zug gefahren bin… Sei es auf dem Weg zur Arbeit oder für eine Reise.

Es soll ja Menschen geben, die das Reisen mit der Bahn völlig entspannend finden. – Ich gehöre jedenfalls nicht dazu!

Ich kann mir auch nichts schöneres vorstellen, als Montagmorgen um halb sieben, im Zenit der Grippewelle in Deutschland, in einer überfüllten Regionalbahn mit lauter vor sich hin hustenden und schniefenden Leidensgenossen zu sitzen… Ehrlich jetzt! 😉

In den vergangenen Jahren scheint sich nicht wirklich viel geändert zu haben: Immer noch der gleiche Muff nach Müll und weggeworfenen Stullen, die einst eine Wegzehrung sein sollten, der teilweise schlechte Zustand des Triebwagens (Wann wurden noch einmal die altmodischen Züge mit Lokomotive abgeschafft?) oder das unfreundliche Personal, das mich trotz meiner 350 € Fahrkarte noch nach dem Lichtbildausweis fragt. Hier in dem kleinen Mikrokosmos scheint doch irgendwie die Zeit stehen geblieben zu sein!

Dreihundertfünfzig Euro! Lassen Sie sich das mal auf Ihrer Zunge zergehen meine Damen und Herren! – Das wären vor 20 Jahren gute 700 DM gewesen! Gut, ich höre ja schon auf…aber immer wieder ertappe ich mich, wie ich, gerade größere Beträge, immer noch in D-Mark umrechne.

Heute muss ich nach Leuven in Belgien, gute 600 km Entfernung. Für 700 DM würde ich den Firmendiesel *hust* diese Strecke ganze drei Male fahren können, und zwar hin und zurück! – Aber es ist heute ja so geil, so „green“, selbst lange Strecken mit der Bahn zu fahren.

Ich finde 4x Umsteigen und die einhundertprozentige Wahrscheinlichkeit sich mit Grippe anzustecken auch total geil! – Nein, Zugfahren macht mir 2018 immer noch keinen Spaß…

Update:

Mein ICE von Erfurt nach Frankfurt schaffte es gerade einmal bis nach Erfurt-Bischleben, dann war er kaputt.

Jetzt heißt es im übervollen nächsten ICE stehen, und zwar bis Frankfurt/Main Hbf. Also Agoraphobie sollte man nicht haben…

Wenn jemand eine Reise tut, so hat er was zu erzählen.

(Matthias Claudius, 1740-1815)

Update 2:

Ich durfte jetzt dreieinhalb Stunden auf dem Frankfurter Hauptbahnhof verbringen.

Es gibt wahrlich schlechtere Bahnhöfe, um stecken zu bleiben, aber der um die vorletzte Jahrhundertwende erbaute Sackgassenbahnhof ist eben an einer Seite völlig offen und dementsprechend zieht es auf den Bahnsteigen. Angenehm ist anders… 🙂

Immerhin konnte ich mir die Zeit mit einer Fachzeitschrift und etwas zu Essen überbrücken.

Update 3:

Es jetzt 18:30 Uhr und ich bin endlich im Hotel angekommen.

12 Stunden für 600 km, das ist schon wirklich eine Meisterleistung! – Nächstes Mal nehme ich ein Moped, da bin ich genauso schnell da!

Ich habe die Schnauze gestrichen voll und lege mich in’s Bett…

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